Berichterstattung beenden?

In eigener Sache: Warum die Siegener Zeitung über den Fall Luise ausführlich berichtet

Am Fundort der Leiche der ermordeten Luise haben Unbekannte Kerzen und Blumen aufgestellt (Aufnahme vom 15. März).

Am Fundort der Leiche der ermordeten Luise haben Unbekannte Kerzen und Blumen aufgestellt (Aufnahme vom 15. März).

Freudenberg/Siegen. Eine 12- und eine 13-Jährige haben gestanden, ihre Freundin Luise getötet zu haben. Selten hat ein Thema die Leser der Siegener Zeitung so bewegt. Einige ringen angesichts des Unfassbaren um Fassung, manche verlieren sie. Und ihr Schmerz vergrößert sich durch jeden weiteren Artikel. Sie fordern uns auf, die Berichterstattung zu beenden.

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Wie sollen die Autoren der Lokalredaktion berichten? Was sollen sie erwähnen? Was müssen sie unerwähnt lassen? Welche Sprache ist angemessen? Schon die Wahl der Worte ist schwer: Sprechen wir von Täterinnen – obwohl kein Gericht jemals die Schuld der Mädchen feststellen wird?

Wir bedrängen keine Trauernden, befragen keine Minderjährigen, belagern nicht Schulen und Wohnhäuser.

Markus Vogt, Chefredakteur der Siegener Zeitung

Auch wenn den Angehörigen und vielen Menschen in Freudenberg Schweigen helfen könnte, wiegt der Anspruch der Öffentlichkeit schwerer: zu erfahren, was wirklich geschehen ist. In einer Gesellschaft, in der unzählige Medien unaufhörlich berichten, ist das Schweigen für die Siegener Zeitung keine Alternative.

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Die Gesellschaft muss versuchen, eine solche Tat zu verstehen – auch um herauszufinden, was schief läuft im Umgang miteinander. Hier haben wir als Journalisten eine Verantwortung.

Schweigen ist keine Option. Aber für die Berichterstattung haben wir uns in der Redaktion klare Regeln gegeben: Jeder Autor muss sich in jedem Augenblick der Verantwortung gegenüber den Opfern, ihren Angehörigen, den Täterinnen und ihren Familien bewusst sein.

Deshalb gehen wir nicht auf die Jagd nach immer neuen Details der Tat, verzichten auf blutige Einzelheiten. Wir bedrängen keine Trauernden, befragen keine Minderjährigen, belagern nicht Schulen und Wohnhäuser. Wir müssen auch am Tag, in der Woche, im Jahr nach der Tragödie den Menschen in Freudenberg in die Augen schauen können.

Den Fokus der Berichterstattung haben wir auf Beiträge gelegt, die über die Tat hinaus Problemhorizonte aufreißen, das Geschehen einordnen. Viele Rückmeldungen zeigen uns, dass wir damit richtig liegen. Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung.

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